Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wenn sie aus der Reihe tanzt - die Rede ist von der fortlaufenden Rechnungsnummer – darf keine Hinzuschätzung erfolgen. Dies gilt jedoch nur bei Verträgen mit Privatkunden.

Gelegentlich bis zu drei Monate im Jahr - dies ist das signifikante Merkmal bei einer kurzfristigen Beschäftigung. Ab 2019 gilt eine neue Regelung.

Eigentlich nicht - so lautet die Wortwahl - des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz bei einer Entscheidung zum Arbeitszimmer.

Ganz schön herausgeputzt – und trotzdem wird der Außenputz bei einem Neubau nicht als Handwerkerleistung anerkannt.

Wie immer empfehlen wir auch einen Blick in unsere Rubrik „kurz & bündig“ zu werfen.

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Herzlichst

Ihr
Otto Kieninger und Joachim Vogel
Rechnungsnummer
fehlend & fortlaufend
Laut einem Urteil des Finanzgerichts Köln darf das Finanzamt keine Hinzuschätzungen vornehmen, wenn der Unternehmer im Rahmen einer Einnahmen-Überschussrechnung keine fortlaufenden Rechnungsnummern verwendet hat, sondern eine zufällige, durch den Computer erzeugte Nummerierung.

In einem Streitfall führte der Kläger Veranstaltungen durch, die auf seiner Internetseite gebucht werden konnten. Bei einer Buchung wurde eine Buchungsnummer elektronisch erzeugt. Bei diesem Vorgang entstand keine fortlaufende Rechnungsnummer. Der Kläger ermittelte seinen Gewinn durch Einnahmen-Überschussrechnung. Das Finanzamt beanstandete, dass der Kläger keine fortlaufenden Rechnungsnummern verwendet hatte und erhöhte den Gewinn durch eine Hinzuschätzung. Der Ausweis einer zufälligen Nummer spreche für die Unvollständigkeit der erfassten Einnahmen. Das Finanzgericht Köln (FG) gab der Klage statt.

Das Urteil sollte nicht missverstanden werden. Wer nämlich mit Unternehmern Verträge schließt, kommt um eine fortlaufende Nummerierung der Rechnung nicht umhin, weil der Vertragspartner eine ordnungsgemäße Rechnung mit einer fortlaufenden Rechnungsnummer benötigt, um den Vorsteuerabzug geltend zu machen. Wer hingegen nur mit Privatkunden Verträge schließt, muss bei der Einnahmen-Überschussrechnung keine fortlaufende Rechnungsnummer verwenden. Wird jedoch auch bei Privatkunden grundsätzlich fortlaufend nummeriert, darf es auch hier zu keinen Lücken kommen, da sonst eine Zuschätzung droht.
Kurzfristige Beschäftigung
gelegentlich & sozialversicherungsfrei
Personen, wie zum Beispiel Rentner und  Studenten, die nicht „berufsmäßig“ arbeiten, sondern nur „gelegentlich“, können bei einer „kurzfristigen Beschäftigung“ bis zu drei Monate oder 70 Tage im Jahr sozialversicherungsfrei arbeiten.

Diese Regelung gilt jedoch nur noch bis Ende 2018. Ab 2019 gilt wieder die alte 50-Tage- beziehungsweise Zwei-Monats-Regel.
Ein Minijob kann mit zwei Prozent Lohnsteuer pauschal versteuert werden. Bei einer kurzfristigen Beschäftigung kann die Lohnsteuer mit 20 Prozent pauschaliert werden. Allerdings gilt hier eine Verdienstgrenze  von 72 Euro pro Tag. Diese Grenze wird jedoch oftmals überschritten, so dass „auf Lohnsteuerkarte“ abgerechnet werden muss. Allerdings bekommt im Regelfall ein kurzfristig Beschäftigter (Verheiratete ausgenommen) bei der Abgabe seiner Steuererklärung die Lohnsteuer wieder vollständig zurück.

Die „kurzfristige Beschäftigung“ kann auch mit einem Minijob kombiniert werden, allerdings nur bei zwei verschiedenen Arbeitgebern.
Arbeitszimmer
gering & genutzt
Ist es maßgeblich für die Anerkennung eines Arbeitszimmers, in welchem Umfang dieses tatsächlich genutzt wird?

Eigentlich nicht, entschied aktuell das Finanzgericht Rheinland-Pfalz. Der Fall betraf den „Klassiker“ eines Arbeitszimmers von Eheleuten im Familienheim für die Arbeiten im Zusammenhang mit einer (gewerblichen) Photovoltaikanlage. Auch wenn in diesem Zusammenhang die Aufwendungen überschaubar sind und bei einer Jahresbetrachtung zeitlich kaum ins Gewicht fallen, kommt ein Abzug der mit dem hierfür vorgehaltenen Arbeitszimmer zusammenhängenden Aufwendungen grundsätzlich in Betracht.

Aber: In Anbetracht der äußerst geringfügigen betrieblichen Nutzung des Arbeitszimmers ist nach Ansicht des Gerichts bereits eine private Nutzung in allergeringstem Umfang schädlich.

So störte sich das Finanzgericht ausdrücklich an einem im Arbeitszimmer befindlichen leeren Schrank, für den somit eine betriebliche Nutzung nicht vorliege. Ebenso sei davon auszugehen, dass sich auf dem im Arbeitszimmer befindlichen Computer nicht nur Programme und Dateien befinden, die für die Photovoltaikanlage benötigt werden. Aufgrund der somit nach Auffassung des Gerichts vorliegenden privaten Mitnutzung des Arbeitszimmers, sei daher der Betriebsausgabenabzug zu versagen.

Die Erforderlichkeit des Arbeitszimmers für die betriebliche/berufliche Tätigkeit ist nicht Tatbestandsmerkmal für die Abzugsfähigkeit, dies hat der Bundesfinanzhof bereits entschieden. Dass dies kein Freibrief ist, zeigt das Urteil des Finanzgericht Rheinland-Pfalz. Hiernach gilt der Grundsatz: Je geringer die berufliche Nutzung desto schärfer die Anforderungen an die steuerliche Anerkennung.

Handwerkerleistungen
neu & verputzt
Wird bei einem Neubau erstmalig ein Außenputz angebracht, ein Gartenzaun aufgestellt, Rollrasen ausgelegt und eine Einfahrt auf das Grundstück gepflastert, handelt es sich nicht um steuerlich begünstigte Handwerkerleistungen.

In einem Streitfall ließen die Kläger auf ihrem Grundstück ein Einfamilienhaus durch E errichten. Der Bauvertrag sah auch die Anbringung des Außenputzes vor, nicht aber die Erstellung von Außenanlagen. Die Abnahme des Neubaus erfolgte im März 2014. Dem Abnahmeprotokoll zufolge fehlte noch der Außenputz. Die Kläger zogen nach der Abnahme in das Haus ein. Im Juni 2014 wurde von E der Außenputz angebracht und durch K ein Rollrasen im Garten verlegt, ein  Zaun aufgestellt und eine Einfahrt gepflastert. Die Kläger machten den Arbeitskostenanteil der von E und K gestellten Rechnungsbeträge als steuerbegünstigte Handwerkerleistungen geltend, die das Finanzamt nicht anerkannte. Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg (FG) wies die hiergegen gerichtete Klage ab. Begründung: Handwerkerleistungen sind nur dann begünstigt, wenn sie in einem vorhandenen Haushalt erbracht werden. Damit scheiden solche Handwerkerleistungen aus, die im Zusammenhang mit einem Neubau stehen.

Das FG hat die Revision zum Bundesfinanzhof (BFH) zugelassen, weil bislang ein genauer Maßstab für die Abgrenzung zwischen Neubau und begünstigter Baumaßnahme fehlt. Im Streitfall lässt sich die Anbringung des Außenputzes relativ klar als Neubaumaßnahme einstufen, weil diese Baumaßnahme bereits im Bauvertrag vereinbart war. Bei den Außenanlagen ist dies schwieriger zu beurteilen, weil diese häufiger erst längere Zeit nach dem Einzug in den Neubau vorgenommen werden. Der BFH wird nun Grundsätze für diese Abgrenzung entwickeln müssen.


umsatzsteuerfrei
Wenn Waren an inländische Unternehmer verkauft werden, wird mit Mehrwertsteuer abgerechnet. Wenn sich der Unternehmer in einem anderen EU-Land befindet, kann umsatzsteuerfrei geliefert werden.
übernommen
Berufliche Fort- und Weitebildungsmaßnahmen des Arbeitnehmers führen dann nicht zu Arbeitslohn, wenn die Kosten im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse des Arbeitgebers übernommen werden.
entschieden
Das Finanzgericht Bremen hat entschieden, dass Fußballdauerkarten Arbeitslohn darstellen können. Begründung: Auch wenn der Besuch Repräsentationszwecken diene, könne das Interesse der Arbeitnehmer am Besuch des Spiels nicht vernachlässigt werden.
erkauft
Die Kosten für einen „erkauften“ Professoren-Titel können nicht als Betriebsausgabe abgesetzt werden.
Kanzleinews
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37,2
Maximaldauer des Mutterschafts-, Heimpflege- und Elternurlaubs für Mütter in Finnland, in Monaten.
0
Maximaldauer des Mutterschafts-, Heimpflege- und Elternurlaubs für Mütter in den USA, in Monaten.
Quelle: brand eins Wirtschaftsmagazin
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